Schauspieler

Schauspielmethoden für deine Rollenarbeit

10 Schauspielmethoden für deine Rollenarbeit

Autorin: Isabel Sulger Büel, veröffentlicht: 10. Februar 2021

Für die erarbeitung deiner Schauspielrolle habe ich hier 10 der Methoden aufgelistet, welche ich am meisten gebrauche und mir am geläufigsten sind. Du findest kurze Beschreibungen zu «Method Acting», «Meisner Technik», Biomechanik, Tier-Übungen, Rollenbiografie, Rolleninterview, Inspiration durch Adjektive, eigene Erfahrungen sammeln, Sprechtraining und Improvisation. Viel Spass und Erfolg bei der erarbeitung deiner nächsten Schauspielrolle.

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1. «Method Acting»

«Method Acting» ist wohl die bekannteste Schauspieltechnik unserer Zeit. Sie wurde von Konstantin S. Stanislawskis als Theorie niedergeschrieben. Den Durchbruch fand diese Theorie in der Schule von Lee Strasberg, welcher diese zu einer Methode für Filmschauspiel gewandelt hatte. Das Ziel dieser Methode ist es die Rolle möglichst glaubwürdig (Theaterjargon: authentisch) zu verkörpern. Dabei werden oft Erinnerungen und Erfahrungen aus dem eigenen Leben verwendet.

Die Schauspielerin oder der Schauspieler nimmt für eine bestimmte Szene eine passende Erinnerung aus ihrem oder seinem Leben und lässt diese Erinnerung während ihrem oder seinem Spiel als inneren Film ablaufen. Dabei löst die Erinnerung im besten Fall dieselben Emotionen aus, welche der Schauspieler oder die Schauspielerin im echten Leben erfahren hatte. Der Schauspieler oder die Schauspielerin reagiert dabei auf eine gemachte Erfahrung erneut und gibt dadurch seine oder ihre damals erlebten Gefühle wieder.

Schauspiel hat auf Basis dieser Methode viel mit der natürlichen Reaktion auf eine innere Vorstellung zu tun. Die Kunst ist es, sich das richtige für die Szene auszusuchen und die Durchlässigkeit, für die Reaktion darauf, zu trainieren.

2. «Meisner Technik»

Die «Meisner Technik» ist eine Weiterentwicklung des «Method Acting» von Standford Meisner. Standford Meisner war ein Schüler von Lee Strasberg. Vertreter der Meisner Technik sehen das Verwenden von echten Erinnerungen und Erfahrungen als zu gefährlich für die Schauspielenden an.

Die Gefahr für die Schauspielenden unverarbeitete Erfahrungen zu verwenden und sich dabei selbst zu verlieren ist ihrer Meinung nach zu hoch. Sie glauben, dass die reine Fantasie, die reine Vorstellung der Situation ausreicht, um eine Rolle glaubwürdig zu verkörpern. Dabei verwenden die Schauspielerinnen oder die Schauspieler möglicherweise Personen aus ihrem echten Leben, um eine fiktive, aber passende Geschichte zur Situation zu finden. Manchmal ist auch eine rein fiktive Person am besten geeignet, wie zum Beispiel den absoluten Traummann. 

Ein Beispiel aus dem Sommerkurs 2014 am Bill Esper Studio, welchen ich im Sommer besuchte, um «Meisner Technik» zu erlernen. Wir hatten die Aufgabe eine Geschichte zu einer Tätigkeit vorzubereiten, welche uns emotional berühren würde. Nach einigen gescheiterten Versuchen stellte ich mir folgendes Szenario vor. 

Da ich in New York war, stellte ich mir vor, dass meinem Vater seine Frau angerufen hätte und mir gesagt hätte, dass mein Vater einen Herzinfakt gehabt hätte und man noch nicht wisse, wie es ausgehen würde. Er werde im Spital behandelt und wir müssten warten. Diese Unsicherheit, ob er überleben oder sterben würde und die tiefe liebe zu ihm, machen mich sehr emotional (gerade sind die Tränen bei der Vorstellung davon bis zu den Augenrändern gekommen). 

Da wir zu jener Zeit einmal im Jahr eine kleine Reise machten, wollte ich ihm eine Karte mit jener Stadt basteln, zu der wir als nächstes fahren würden und ihm damit gute Besserung wünschen. Während man jetzt diese Aufgabe macht und sich diese Geschichte vorstellt, kommt der Spielpartner und fragt einen irgendwelche Fragen, welche man, soweit ich mich erinnern kann wiederholen muss. Die Übung heisst auch «Repetition».

Mich hat diese ganze Situation so sehr geärgert und aufgewühlt, dass ich zu weinen anfing. In einem schauspielerischen Sinne eine Topleistung, Susanne Esper war begeistert. Als Lektüre zur Meisner Technik kann ich das Buch «The Actor’s Art and Craft», von William Esper und Damon DiMarco sehr empfehlen.

3. Biomechanik

Die Biomechanik wurde von Konstantin S. Stanislawskis Schüler Wsewolod E. Meyerhold um 1922 entwickelt und geht in seiner Theorie und Methode vom Körper der Schauspielerinnen und Schauspieler aus. Bei dieser konstruktivistischen Schauspieltechnik erarbeiten die Schauspielenden ihre Rolle von aussen nach innen, also vom Körper zu den Emotionen. Dies ist die umgekehrte Vorgehensweise zum «Method Acting».

Da der Körper im Fokus steht, ist das Kennenlernen und das Bewusstsein für das Arbeitsinstrument für die Schauspielerinnen und Schauspieler grundlegend. «Ein solches Schauspielkonzept der Biomechanik setzt auf Sport, Akrobatik, Tanz, Rhythmik, Boxen, Fechten» [1]. Der Körper bildet die schauspielerische Grundlage und Ausgangslage.

Im Improvisationstheater arbeite ich oft vom Körper zur Szene. Es ist für mich einfacher eine Bewegung zu machen und daraus die Szene zu entwickeln. Meistens ist es eine Tätigkeit, welche durch die Eingabe des Publikums inspiriert wurde.

[1] Kotte, Andreas: Theaterwissenschaft. Eine Einführung. Köln, Weimar, Wien 2012. S. 179.

4. Tier-Übungen

Diese Übung hat Lee Strasberg von seiner Schauspiellehrerin Maria Ouspenskaya [2] erlernt und in seine Methode einfliessen lassen. Es bedeutet, dass die Schauspielerin oder der Schauspieler sich ein Tier, welches zu ihrer Rolle passt, aussucht und dessen Verhalten danach genau analysiert.

Wenn die Analyse abgeschlossen ist, spielt die Schauspielerin oder der Schauspieler das Tier nach und versetzt sich so gut er kann in sein Wesen und seine Energie. Wenn die Schauspielerin oder der Schauspieler genügend in der Energie des Tieres ist, kann er diese Stufenweise mit menschlichem Verhalten vermengen, bis nur noch ganz spezifische Verhaltensmuster des Tiers im Spiel der Schauspielenden durchscheinen.

Diese Übung gibt den Schauspielenden die Erfahrung, dass sie sich auch in Lebewesen und Energien versetzen können, welche sie selbst nicht sind. Gibt ihnen also die Erkenntnis, dass auch das Fremde spielbar ist.

[2] Wulf, Julia: Is Method Acting still the basis of successful acting in the USA? Hamburg 2014. S. 26

5. Rollenbiografie

In einer Rollenbiografie beschreibt man verschiedene Aspekte, einer zu erarbeitenden Rolle. Am einfachsten ist es mit den Fakten zu beginnen, was Merkmale wie Namen, Alter, Geschlecht, Herkunft, sozialer Status und Beruf beinhalten. Als zweites kommen dann die äusseren Eigenschaften der Figur zum Tragen, also Kleidung und aussehen. 

Als drittes die inneren Werte und Moralvorstellungen. Dann solltest du unbedingt eine Biografie deiner Figur schreiben. Diese beinhaltet zum Beispiel wo sie geboren wurde, was für eine Kindheit sie hatte, wie sie gross geworden ist, und so weiter. Weiter kann eine Rollenbiografie in der Ich-Form, also aus der Sicht der Rolle über sich selbst, hilfreich für dein besseres Verständnis sein. Zusätzlich dazu kann die Sichtweise von aussen ebenfalls hilfreich sein. Frage dich dabei wie der Lesende die Figur sieht?

Für einen detaillierten Leitfaden zur Rollenbeschreibung empfehle ich diesen von Wortwuchs.

6. Rolleninterview

Manchmal ist es einfacher ein Rolleninterview zu machen. Dabei steht der zu interviewende auf die Bühne oder in die Mitte eines Kreises und die anderen Schauspielenden fragen die zu interviewende Person zu ihrer Rolle aus. 

Dabei kann man als befragte Person in der Rolle sein oder auch nicht. Wenn man dies als Schauspielerin oder Schauspieler macht, lernt man rational etwas über seine Rolle. Wenn du dich auf das Wesen deiner Rolle einlässt und die Fragen aus deiner Rolle heraus beantwortest, entdeckst du vielleicht auch noch Gefühle oder Bewegungen, welche zuvor verborgen waren. Ich bevorzuge die zweite Variante.

Für einen detaillierten Leitfaden zu Rolleninterviews empfehle ich diesen von Sprachfoerderung.

7. Inspiration durch Adjektive

Manchmal hilft es mir auch, wenn ich bei der Rollenarbeit bestimmte Adjektive für meine Rolle heraussuche und diese in meiner Rolle ausprobiere. Diese Methode gibt mir neue Eindrücke von der Rolle und hilft mir neue Fassetten zu entdecken. Dabei kann ich auch gleich herausfinden, ob diese Fassetten passen könnten. Durch diese Methode erhalte ich mehr Klarheit über die wichtigsten Charaktereigenschaften meiner Rolle und kann diese im Spiel besser hevorheben.
 

Eine Liste von Adjektiven findest du hier bei Wortwuchs.

8. Erfahrungen sammeln

In Hollywood gehen Schauspielende manchmal soweit, dass sie sich den Erfahrungsschatz für eine Rolle, welche sie durch «Method Acting» spielen wollen, erarbeiten. Angeblich lebte Daniel Day-Lewis in der Vorbereitung auf den Film «Der letzte Mohikaner» mehrere Monate in der freien Wildnis und ass nur das Fleisch von Tieren, welche er selbst erlegt hatte. 

Für eine Rolle, in welcher ich sehr aggressiv sein musste, hatte ich den Text mehrere Male beim Boxen geübt, damit ich diese agressivität erfahren hatte und somit spielen konnte. Man kann seine Erfahrungen sehr kreativ sammlen, wichtig ist, dass es für dich stimmt.

9. Sprechtraining und Akzente

Je nach Rolle kann es passend sein, einen besonderen Akzent zu erlernen. Manchmal ist das auch eine Bedingung für eine Rolle. Da mir das erlernen eines Akzents sehr leicht fällt, findest du hier meine Strategie dazu: 

Ich suche mir eine Person, welche diesen Akzent spricht. Meistens finde ich diese auf Youtube. Dann höre ich mir den Akzent solange an, bis ich ihn nachsprechen kann. Sobald dies geht, spreche ich das was ich höre nach. Mit der Zeit kriege ich ein Gefühl für die Laute des Akzents und kann diesen auch bei anderen Worten, als den gehörten nachsprechen.

Für ein sauberes Hochdeutsch, kannst du auch bei Google das Wort, welches du lernen willst eingeben und dazu «aussprache» schreiben. Meistens kommt gleich ein Beispiel dazu, welches du dir anhören und mit dem du trainieren kannst.

Aussprache und Akzent

10. Improvisation

Die letzte Technik um eine Schauspielrolle zu erarbeiten ist die Improvisation. Dies ist ein induktive Erarbeitung einer Rolle, welche von innen nach aussen geht. In der Improvisation verwendet man die Eckdaten seiner Rolle und geht dann vom inneren Gefühl, einer inneren Inspiration oder einer Idee zur Rolle aus. 

Wenn du eine Inspiration aus dir heraus gefunden hast probierst du diese aus und schaust, wie sich diese weiterentwickelt. Deine Inspiration ist also dein Startpunkt und dann schaust du wo es dich hinzieht. Wichtig ist, dass du offen bleibst für was immer aus dir herauskommt und einfach machst, was sich richtig anfühlt, ohne dies zu überdenken.

Die Reflexion zum Geschehenen kommt nach dem du verschiedene Inspirationen ausprobiert hast und dabei herausgefunden hast, welche Ergebnisse, die du erforscht hast, sich am besten anfühlen. Wenn du dich bei den Improvisationen gefilmt hast, kannst du auch deine Aufzeichnungen ansehen und die Ergebnisse auswerten.

 
 
 

Das sind die 10 Schauspielmethoden für deine Rollenarbeit. Meine liebste Methode ist die «Meisner Technik», aber ich gebrauche auch andere Methoden von dieser Liste. Oft sind meine Rollen bei der Aufführung aus eine Mischung von mehreren dieser Methoden. Fallen dir noch mehr Schauspieltechniken ein oder hast du mit einer der Methoden besonders gute Erfahrungen gemacht? Schreibe es mir in die Kommentare. Ich freue mich von dir zu hören.

Vielleicht magst du mir deine liebste Schauspielmethode vorstellen? Dass würde mich sehr freuen. Habe ich eine vergessen, die du besonders wichtig findest? Hast du schon Erfahrungen mit gewissen Methoden gemacht, welche du mit mir teilen magst?

Ich freue mich sehr über deinen Bericht.

Von Herzen,
Isabel

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Schauspielerfotos Titelbild

Was du für die besten Schauspielerfotos beachten musst

Schauspielerfotos Headerbild
Von März bis Mai 2020 habe ich mich intensiv mit dem Thema Schauspielerfotos auseinandergesetzt und soviel Informationen dazu gesammelt, wie ich nur finden konnte. Das wichtigste ist, dass der Fotograf oder die Fotografin dein Wesen und Aussehen auf dem Foto einfangen kann. Dann musst du aber noch beachten, dass du direkt in die Kamera schaust, dass Augenlicht in deinen Augen ist und dass du bunte Kleidung in blau, grün, violett oder rosa trägst. Weiter muss der Hintergrund unscharf sein, damit du im Fokus stehst und zur Geltung kommst.

Für erwachsene Schauspieler*innen lohnt es sich alle 12 bis 24 Monate neue Fotos zu machen. Bei Kinderschauspieler*innen sind alle 7 bis 12 Monate geeignet. Wenn du etwas äusserlich an dir veränderst, solltest du ebenfalls neue Fotos machen. Du brauchst Schauspielerfotos in erster Linie, damit Casting-Agenturen dich finden. Deine Fotos sind deine Visitenkarte und führen in erster Linie zu Filmrollen. 

Logischerweise benutze ich meine Fotos auch um mich auf Theaterrollen zu bewerben, aber da muss man früher oder später ohnehin vorsprechen gehen. Bei Filmrollen oder Werbung wird man manchmal auch ab Showreel oder Foto besetzt. Deshalb wäre es gut, wenn dein Foto dich so repräsentiert, dass man dich beim Vorsprechen wiedererkennt. Mit meinen ersten Schauspielerfotos ging ich mal an ein Vorsprechen und als ich über die Schwelle trat, sagte die Regisseurin: «Die sieht in echt ja ganz anders aus als auf dem Foto.» Wie du so eine Reaktion verhindern kannst, liest du unten.

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Autorin: Isabel Sulger Büel, veröffentlicht: 21. Januar 2021.

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1. Farbiges Foto

1 Schauspielerfotos von Isabel Sulger Büel
Einer meiner ersten Schauspielerfotos 2008. Auf diesem Foto war ich leider schlecht zu erkennen und die Regisseurin fand ich sah ganz anders aus als im echten Leben. © Raphael Zubler 2008
1 Schauspielerfotos von Isabel Sulger Büel
Du siehst bestimmt den Unterschied zwischen der Aussage des farbigen Fotos und des schwarz-weissen Fotos. © Raphael Zubler 2008

Ein Schauspielerfoto muss farbig sein, damit man deine Hautfarbe, deine Haarfarbe und deine Augenfarbe durch das Foto erfassen kann. Schauspielerfotos werden meistens im Hochformat geschossen und beinhalten drei Typen von Ausschnitten: Der erste Ausschnitt ist das Portrait, welches bis zur Brust geht. Der zweite Ausschnitt ist die Halbtotale (Filmsprache), welche bis zur Hüfte geht und zuletzt brauchst du ein Ganzkörperfoto. Bei der Agentur Hoestermann, haben aber sowohl Alexander Fehling als auch Elisa Plüss Querformat-Fotos im Profil.

2. Unscharfer Hintergrund

4 Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel unscharf
Bei diesem Foto ist der Hintergrund unscharf, was mich in den Fokus rücken lässt. Zusätzlich seht ihr bestimmt den Glanz in meinen Augen. Mein Make-up besteht aus Maskara, Puder, Rouge und Lippenstift. © Evelyne Wey 2020
4 Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel scharf
Bei diesem Foto ist der Hintergrund scharf und die Sonne hat mich zu sehr geblendet, weshalb ich meine Augen zukneife. Dass ich etwas "Krank" aussehe, liegt daran, dass mein Make-up nur aus Foundation und Maskara besteht. Etwas Rouge und Highlighter hätten dem Look gutgetan. Das war mein Fehler. © Janette Gloor 2020

Es ist total wichtig, dass der Hintergrund deiner Fotos unscharf ist, damit du im Fokus stehst. Wenn der Hintergrund scharf ist, wirkt das Foto wie ein Kunstfoto oder Ferienfoto und ist leider für dich als Schauspieler*in unbrauchbar, weil der Hintergrund zu sehr von dir als Person ablenkt. Du kommst zu wenig bis gar nicht zur Geltung. 

Deshalb ist es ein Muss, dass der Hintergrund unscharf ist. Ich persönlich mag ruhige Hintergründe lieber. Hintergründe mit zu viel Eigenleben lenken aus meiner Sicht schon wieder zu sehr von der Person ab. Auch mag ich Hintergründe weniger, bei denen man Objekte erkennt, weil sie ebenfalls zu sehr von der Person, welche im Fokus stehen sollte, ablenken. Ein bisschen Spiel im Hintergrund belebt aus meiner Sicht die Fotos.

3. Augenlicht

4 Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel Augenlicht
Ein Foto mit viel Lichtreflexion in den Augen. © Evelyne Wey 2020
4 Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel Augenlicht
Ein Foto mit wenig Lichtreflexion in den Augen. © Janette Gloor 2020

Bei einem Schauspielerfoto musst du in die Kamera schauen und es sollte sich Licht in deinen Augen reflektieren. Dieses Licht nennt man Augenlicht. Wenn dein Fotograf ausserhalb eines Studios arbeitet, müsst ihr die Fotos morgens oder abends schiessen, damit die Sonne in einem tiefen Winkel zur Erde steht. Die Sonne soll dir zwar in die Augen scheinen, aber dich nicht blenden. 

Ein Fotograf, der auf die benötigten Lichtumstände nicht hinweist, hat aus meiner Sicht nicht verstanden, worum es bei Schauspielerfotos geht. Achte darauf, dass deine Fotos Augenlicht enthalten. Du kannst dies auch bei anderen Schauspielerfotos überprüfen. 

4. Licht

3 Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel Helligkeit
Ein Schauspielerfoto muss genügend Hell sein. © Clariofilm 2015
Kein Schauspielerfoto
Dies ist kein Schauspielerfoto von mir, aber es zeigt gut, wie wichtig Licht für Fotos ist. Als Variante kannst du ein Foto mit Hut machen, aber nur eines. © René Lieberherr

Neben dem Augenlicht muss das Foto genügend hell sein. Du sollst schliesslich so gut wie es nur geht zur Geltung kommen. Soweit ich von Fotografen gehört habe, sind bewölkte Tage für Foto-Sessions im freien am besten, weil dann die Sonne keine Schatten wirft. Wie gut dann Augenlicht eingefangen werden kann, weiss ich nicht. Am besten fragst du deinen Fotografen, was er dazu meint.

5. Perspektive

5 Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel Perspektive 1
5 Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel Perspektive 2

Für Schauspielerfotos gibt es zwei Perspektiven, welche gut geeignet sind. Einmal die frontale Perspektive, in der du gerade in die Kamera schaust und einmal ein Foto, wo man dein Gesicht ein wenig von der Seite sieht.

6. Ganzkörperfoto bedeutet von Kopf bis Fuss

5 Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel Ganzkörper
Mein Ganzkörperfoto auf dem ich von Kopf bis Fuss zu sehen bin. © Evelyn Wey 2020
5 Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel Ganzkörper
Ein Ganzkörperfoto, welches leider angeschnitten ist. © Clariofilm 2015

Ein Ganzkörperfoto muss den Haaransatz und die Füsse draufhaben, nur bis zu den Unterschenkeln gilt nicht. Dies wusste ich nicht und habe ich bei einer Beratung durch Stagepool erfahren. Aus meiner Sicht macht dieser Umstand total Sinn, weil ein Casting-Agent nur dadurch sehen kann, wie dein Körper wirklich gebaut ist und wie dieser vor der Kamera wirkt. 

7. Make-up vom Profi machen lassen

Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel Make-up.
5 Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel Perspektive 1

Meine Erfahrung ist, dass ich mit Make-up viel besser aussehe als ohne. Da ich leider immer noch sehr wenig Erfahrung mit Make-up habe, werde ich mir das nächste Mal einen Profi besorgen, auch weil mir die Fotos, welche ich bei Clario Film schiessen liess von allen meiner Schauspielerfotos am besten gefallen. Leider macht diese Firma keine Fotos mehr. 

Das Make-up muss natürlich wirken und es muss mit Puder abgedeckt werden, damit du auf dem Foto nicht glänzt. Du darfst auf keinen Fall überschminkt wirken. Wenn also ein Fotograf diese Zeilen hier liest und ein gutes Angebot mit Make-up Person machen kann, bitte melde dich bei mir.

8. Kleidung

Foto von Isabel Sulger Büel
Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel Schwarz-Weiss

Das wichtigste an der Kleidung ist, dass sie farbig ist. Die Farben Grün, Blau, Violett und Rosa sind nach diesem Video am besten für die Kamera geeignet. Wenn du es schaust, siehst du gleich, dass Dina Moeller recht behält. Ich habe mich bei meinem letzten Fotoshooting nicht darangehalten und dummerweise weiss, rot und gelb mitgebracht. Wenn du kannst, verhindere das.

Weiter ist unifarbene Kleidung besser als solche mit Muster, weil Kleidung mit Muster ein Moiré-Effekt auslösen kann und dabei das Muster auf dem Bild zu flimmern beginnt. Die Farben Weiss und Schwarz sind Kontraste und lassen dich grösser, müde oder fahl aussehen. Deshalb sind auch diese zu vermeiden.

Suche dir deine Kleider auch nach den Rollen aus, welche du spielen willst. Ich habe bei meinen Freunden eine Umfrage gemacht, in welchen Rollen sie mich sehen und habe vor ein paar Jahren mit Urme Neumann Rollenprofile erarbeitet. Urme Neumann ist eine sehr gute Beraterin, was Schauspielfragen betrifft. Sie ist auf die Chekhov-Methode spezialisiert, berät aber auch in anderen Gebieten.

Wenn du eine Agentur hast, besprich doch auch mit deinem Agenten, was du anziehen sollst und in welchen Rollen er/sie dich sehen. Die Informationen meiner Freunde und Urme’s Beratung haben folgende Rollenprofile ergeben: die taffe Frau, die Prinzessin, die verführerische Frau und das Mädchen von nebenan.

Zusätzlich habe ich mich auch noch vom englischen Sprachraum inspirieren lassen und fand folgende drei Aspekte für Schauspielerfotos gut:

  • clean slate: so wie du ans Set kommen würdest
  • commercial headshot: lächeln, so dass die Zähne zu sehen sind
  • character headshot: Rollen, welche du gerne spielen möchtest

Aus all diesen Aspekten habe ich dann meine Kleidung ausgesucht. Wenn du dich für Kleider entschieden hast, fotografiere dich selbst in den Kleidern und schau, wie diese auf dich wirken. Möglicherweise hilft dir hier ebenfalls die Meinung deiner Freunde und deiner Agentur. Vielleicht inspirieren dich auch Fotos von anderen Schauspieler*innen, schau doch mal auf ein paar Agenturseiten nach.

9. Studio Ja oder Nein

Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel Studio
Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel Studio

Ob du Fotos in einem Studio schiessen willst oder nicht, ist eine Frage der Kosten. Fotografen, welche ein Studio besitzen sind aus meiner Erfahrung teurer, aber die Fotos sind klarer. Du als Person bist wirklich im Fokus, ohne dass irgendetwas von dir ablenkt. Allerdings würde ich blau oder grau für den Hintergrund verwenden, weil schwarz sehr Hart und weiss zu hell wirkt. Vielleicht hat dein Fotograf einen etwas belebten Hintergrund in seinem Studio, welchen ihr verwenden könnt. Weiter denke ich, dass es einfacher ist Augenlicht in einem Studio einzufangen, weil dort die Beleuchtung eingerichtet werden kann.

Bei Aussenaufnahmen finde ich es schwierig, wenn Hintergründe zu unterschiedliche Farben und Schattierungen aufzeigen. Ich finde, sie lenken zu sehr von der Person auf dem Foto ab. Es gibt aber auch die Möglichkeit Locations zu finden, bei denen der Hintergrund ein schönes Spiel von ähnlichen Farben bekommt. Am besten suchst du bei verschiedenen Agenturen Fotos, welche dir entsprechen, zusammen und entscheidest dich danach, ob du lieber im Freien oder in einem Studio Schauspielerfotos machen willst.

10. Dein Wesen muss eingefangen werden

Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel Wesen
Schauspielerfoto Isabel Sulger Büel Wesen.

Die schwierigste Herausforderung für mich, war und ist es einen Fotografen zu finden, der mein Wesen einfangen kann. Dabei spielen zwei Komponenten eine Rolle, zum einen muss ich mir selbst, während der Fotosession, treu sein und zum anderen muss der Fotograf mein Wesen herauskitzeln können. 

Ich finde es deshalb wichtig, mit einem Fotografen zusammenzuarbeiten, bei dem ich mich wohl fühle und von dem ich das Gefühl habe, dass er weiss, was er macht. Sei, während einem Shooting, einfach dich selbst, fühle was gerade in dir passiert und entspanne dich. Zeige der Kamera die Bandbreite deiner Gefühle. 


Schauspielerfotos sind immer eine individuelle Angelegenheit und es gibt nur ein paar Dinge, wie der unscharfe Hintergrund und das Augenlicht, die du wirklich beachten musst. Besprich mit deinem Fotografen den Stil deiner Bilder und was du dir wünschst. Dann merkst du gleich ob ihr euch versteht und gut zusammenarbeiten könnt. Wenn dir noch etwas einfällt, dass hier gefehlt hat, schreib es mir doch bitte in die Kommentare. Ich freue mich von dir zu hören.

Kennst du einen richtig guten Fotografen für Schauspielerfotos, den du mir gerne empfehlen würdest? Das würde mir nämlich sehr helfen. Gibt es besonders angenehme oder unangenehme Shootings, welche du schon gemacht hast und du etwas gelernt hast, was du mit mir teilen willst? Ich bin froh um Tipps dazu.

Ich freue mich sehr auf deine Erzählungen.

Von Herzen,
Isabel

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Schauspielerin werden – Deine Karriereplanung

Deine Karriereplanung zur Schauspieler:in

Schauspielerin werden – Deine Karriereplanung

Autorin: Isabel Sulger Büel, veröffentlicht: 27. August 2020

Wie wirst du Schauspieler:in? Kannst du deine Karriere als Schauspieler:in planen? Auf was kommt es an? Wie bei den meisten Berufen gibt es verschiedene Möglichkeiten, um ans Ziel zu kommen. Anders als bei üblichen Karrieren, ist es allerdings bei den darstellenden Künsten wichtig, möglichst jung, möglichst viel Potential auszuschöpfen. Ich habe alles, was ich weiss, für deine Karriereplanung zur Schauspieler:in in diesen Artikel gepackt.

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Möglichst jung anfangen und eine staatliche Schule besuchen

Damit meine ich, dass man möglichst jung entweder schon in Filmen mitspielt, so wie dies Joel Basman gemacht hat, und/oder in Theaterstücken an Schauspielhäusern, als Statist, mitwirkt. Auch die freie Szene kann in jungen Jahren schon ein Weg sein, ein Netzwerk und einen Ruf aufzubauen. Auf jeden Fall empfiehlt sich nach einer Lehre mit einer Berufsmaturität oder einem Fachabitur oder einem Abitur oder einer Matura an allen staatlich anerkannten Schauspielschulen vorsprechen zu gehen. Um deine Karriere als Schauspieler:in möglichst gut zu starten.

Eine Berufsmaturität empfehle ich dir, weil die staatlich geförderten Schauspielinstitutionen im deutschsprachigen Raum Fachhochschulen sind. Es ist möglich, dass du das unglaubliche Talent und das unglaubliche Glück hast, Surdossier, also ohne Berufsmaturität aufgenommen zu werden. Nur betrifft dies pro Jahrgang und Klasse vielleicht eine Person.

Aufgenommen werden oft maximal 24 Personen. Du erhöhst deine Chance also um einiges, wenn du mit Berufsmaturität und allen gefragten Papieren an den Start gehst. Für Deutschland brauchst du eine BMS (Berufsmaturitätsschule), weil deine Konkurrenz die 50 Prozent der deutschen Bevölkerung darstellt, die ein Abitur abgelegt hat. Solltest du eine FMS (Fachmittelschule) besuchen, wähle doch eine mit dem Profil Theater. Ein solches FMS Angebot führt zum Beispiel die Kantonsschule Rychenberg in Winterthur. Ob es auch in deinem Kanton eine FMS mit Ausrichtung Theater gibt, musst du selbst abklären. Frage beim Kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamt –  Abteilung Mittelschulen oder bei den Fachmittelschulen Schweiz nach. 

Für Vorsprechen musst du Durchhaltevermögen beweisen. Ich empfehle bei Frauen zwischen 18 und 24 Jahren, jährlich bei allen Schauspielschulen Vorsprechen zu gehen. Dabei musst du, soweit ich gehört habe, auch schwieriges Verhalten durch die Prüfungskommission wegstecken können. Sehr wahrscheinlich wirst du bei jeder Schule maximal zweimal Vorsprechen können. Das sind meine ersten Tipps für deine Karriereplanung zur Schauspieler:in.

 

Halbstaatliche Schauspielschulen

Möglicherweise kannst du auch halbstaatliche Schulen in Betracht ziehen, deren Abschluss ist zwar vom Staat anerkannt, aber diese Institutionen kosten einiges mehr, da sie nicht vom Staat, sondern privat durch die Studierenden finanziert werden. Ganz private Schauspielschulen würde ich dir erst Empfehlen, wenn alle Vorsprechen an staatlichen Schulen bis zu deinem 24 Lebensjahr für Frauen und bis zum 27 Lebensjahr für Männer erfolglos waren*.

Für beide halbstaatliche und private Schauspielschulen gilt, dass du dich selbst bei der Künstlervermittlung melden musst, um dort deinen Abschluss vom deutschen Staat anerkennen zu lassen. Bei staatlichen Schulen kommen die Vertreter zur Abschlusswerkschau, bei privaten Schulen muss man selbst hingehen. Die Altersbeschränkung für eine Aufnahme bei der Künstlervermittlung ist, dem hören sagen nach, 26 Jahre. Für deine Karriereplanung als Schauspieler:in sollte dieses Weg Plan B sein.

Was du auch vor dem Vorsprechen an Schauspielschulen tun kannst, ist dich bei verschiedenen Casting Agenturen melden. Das kann dir als Kind oder Jugendliche schon gewisse Filmrollen und somit Erfahrung verschaffen. Dann helfen aber auch Erfahrungen bei Amateurtheatern. Dort kannst du dir Grundlagen und ein gewisses Netzwerk aneignen. Empfehlen würde ich mit möglichst vielen verschiedenen Regisseuren zusammen zu arbeiten. Dabei lernst du die Bandbreite des Theaterschaffens kennen und bist bei Vorsprechen flexibler, wenn dir Aufgaben gestellt werden. Das sind meine zweiten Tipps für deine Karriereplanung zur Schauspieler:in.

 

Warum ich dir eine staatliche Ausbildung empfehle

Mit der Verschulung der Gesellschaft hat es sich in den letzten 30 Jahren dahin entwickelt, dass Schauspielhäuser mit den staatlichen Fachhochschulen zusammenarbeiten. Dies bedeutet, wenn du an ein Schauspielhaus willst, was eine Festanstellung für eine bestimmte Anzahl Jahre garantiert und eine gute Referenz auf deinem Lebenslauf ist, brauchst du einen staatlichen Abschluss. Aus meiner Sicht verarschen die privaten Schauspielschulen ihre Studierenden bis zu einem gewissen Grad.

Ich hatte an meiner Schauspielschule aber auch Kollegen, welche unsere Schule als Grundlagentraining für ihre staatlichen Vorsprechen benutzten. Prüfe dazu den Lebenslauf von Raphael Muff. Er hat übrigens jahrelang Musical in einem Amateurverein gemacht, bevor er erst die Schauspiel Schule Zürich (SSZ) und dann die Hochschule der Künste Bern (HKB) besuchte. Er arbeitet jetzt am Schauspielhaus in Graz.

Mit einem staatlichen Abschluss in Schauspiel sind folgende Karrieren möglich: Mit gewissem Aussehen und Talent, ist im deutschen Sprachraum eine Karriere im Film möglich. Prüfe dazu die Lebensläufe von Alexander Fehling und Morgane Ferru. Beide sind an den zwei renommiertesten Fachhochschulen ausgebildet worden, der Ernst Busch in Berlin und der Otto Falkenberg in München.

Weiter ist eine Festanstellung an einem Haus mit Film als Ergänzung möglich. Lebensläufe, die du dazu anschauen kannst, sind jene von Yohanna Schwertfeger (Max Reinhart Seminar, Wien) und Elisa Plüss (Mozarteum, Salzburg). Florentine Krafft spielt vor allem an Schauspielhäusern und hat bis jetzt nur zwei Kurzfilme gedreht. Deshalb nenne ich Sie hier mal als Beispiel für eine Karriere an Schauspielhäusern.

Gewisse Schauspieler:innen wagen es, nach ein paar Jahren ein Schauspielhaus zu verlassen und in der freien Szene zu arbeiten. In gewissen Fällen treten Sie dann als Gast an Schauspielhäusern auf, wie beispielsweise Yohanna Schwertfeger dies zurzeit (2020) tut. Vielleicht müssen Sie aber auch freischaffend Arbeiten, obwohl sie dies gar nicht wollen. Zurzeit habe ich zu wenig Einsicht in diese Liga der Schauspielerei. Einen staatlichen Abschluss ermöglicht es auch eher an einer Fachhochschule zu unterrichten. Oliver Mannel ist hierzu ein Beispiel, welches du anschauen kannst. Das sind meine dritten Tipps für deine Karriereplanung zur Schauspieler:in.

 

Wie du die richtige Ausbildung findest

Soweit ich das sehe, findet die richtige Ausbildung dich. Schauspielschulen suchen nicht nur Talent, sondern, wenn sie Talent gefunden haben, immer auch die richtige Mischung an Studierenden, um deren Entwicklung optimal zu fördern. Dies kann bedeuten, dass du es bis in die letzte Runde schaffst, also Talent hast, aber gerade nicht in die Gruppe passt.

Es kann auch sein, dass die Schule gerade einen dir ähnlichen Typ schon ausbildet und ihm die Chance auf dem Markt lassen will. Aber zwei Jahre später ist der raus und du kommst vielleicht rein. Es gibt bestimmt auch jene Vorsprechenden, die einfach so gut sind, dass die Schulen sie aufnehmen müssen.

Die Entscheidung, die du fällen kannst, ist ob du reines Schauspiel lernen willst oder ob du lieber Musical machen willst. Musical hat die grössere Popularität, dir muss einfach Tanzen, Singen und Schauspiel liegen. Nach dem Abschluss kannst du dich immer noch auf eine Sparte spezialisieren und dich darauf weiterbilden. Vielleicht ist es für dich auch eine Möglichkeit, für Musical und Schauspiel vorzusprechen und zu sehen, wo du reinkommst. 

Ein Beispiel dazu könnte Jeannine Michèle Wacker sein, sie hat aber ihre Ausbildung in den USA, an der AMDA, gemacht, da es wenige staatlich anerkannte Ausbildungen für Musical in Deutschland gibt. Die zwei besten Musical Ausbildungen sind, nach professioneller Quelle, die Laine Academy in Epsom und die Urdang Academy in London. Das sind meine vierten Tipps für deine Karriereplanung zur Schauspieler:in.

 

Wie du dich auf den Vorsprech-Marathon vorbereiten kannst

Neben den oben genannten Möglichkeiten des Amateurtheater und einer privaten Schauspielschule, kannst du auch deine Monologe mit einem privaten Coach vorbereiten. Dabei würde ich aber beachten, dass dein Coach eine staatliche Schule besucht hat, weil dein Coach dann Erfahrung mit staatlichen Schulen hat und weiss auf was diese achten.

Weiter gibt es gibt ein paar gute Filme, mit denen du dich auf das Vorsprechen und eine Schauspielausbildung vorzubereiten kannst. Diese sind: Das Vorsprechen, die Spielsüchtigen und eine Dokumentation vom Max-Reinhardt-Institut, welche auf YouTube zu finden ist. Prüfe die Voraussetzungen jeder Schule, bevor du dort vorsprichst. Das sind meine fünften Tipps für deine Karriereplanung zur Schauspieler:in.

 

Karrieren mit privaten Ausbildungen

In diesem Bereich kann ich nur die Situation in der Schweiz beschreiben. Es ist möglich einen Lebensunterhalt zu verdienen. Meistens in der freien Szene. Interessanterweise gibt es auch hier Ligen. Studierende der ZHdK spielen in der Schweiz am Theater Kanton Zürich, Theater Marie oder in deren freien Szene. Eine freie Szene, in welche ich null Einblick und Berührungspunkte habe. Meine Szene bewegt sich wo anders, bei Denlo Productions (Nils Habermacher), The Same Productions (Christian Ohmann) und Florian Rexer (Mischa Löwenberg).

Im Bereich Musical schaffen es manche von der SAMTS zu Erich Vock und zum Märlimusical.ch. In Deutschland kann man sich via Stagepool auf Jobs bewerben und Uwe Peter ein Freund von mir findet dort Engagements auch ohne Ausbildung zum Schauspieler. Simon Fleischhacker hat die Akademie für darstellende Kunst (adk) in Ulm besucht, eine staatlich anerkannte, aber private Ausbildung, erst hat er im Stückvertrag gearbeitet, jetzt scheint er bei der Monbijou Theater GmbH im Engagement zu sein. Ich denke es braucht mehr Durchhaltevermögen für eine Karriere als Schauspieler:in mit privater Ausbildung. Das sind meine sechsten Tipps für deine Karriereplanung zur Schauspieler:in.

 

Semi-Professionelle Schauspieler:innen

In der Schweiz kenne ich auch einige Schauspieler:innen, die Semi-Professionell arbeiten. Also einer Teilzeitanstellung in der Privatwirtschaft nachgehen und daneben mit Theater einen Zusatzverdienst erwerben. Dazu könntest du Manuel Zubers Lebenslauf anschauen. Wenn alle Stricke reissen und keiner dieser Pläne aufgeht, kannst du auch einem guten Beruf nachgehen und daneben Amateurtheater spielen. Überhaupt würde ich dir Schauspieler als Beruf nur empfehlen, wenn du dir wirklich keinen anderen Beruf vorstellen kannst und dich nur Theaterspielen glücklich macht. Dann bist du dazu berufen Schauspieler zu sein.

Schade finde ich es, wenn eine Person an eine staatliche Schule kommt und einige Jahre nach der Ausbildung die Schauspielerei aufgibt. Dann hast du möglicherweise jemandem, der wirklich wollte und drangeblieben wäre, den Platz weggenommen. Deshalb empfehle ich dir, dich im Vorfeld intensiv mit diesem Beruf auseinanderzusetzen. Beispielsweise könntest du eine Hospitanz (Praktikum) an einem Stadttheater in deiner Nähe machen, um Erfahrungen im Theateralltag zu sammeln. Das sind meine siebten Tipps für deine Karriereplanung zur Schauspieler:in.

Vielleicht magst du mir Erzählen, wie du die Welt der darstellenden Künste im deutschen Sprachraum erlebst. Liege ich mit meinen Aussagen richtig oder sind diese total falsch? Wie stehst du dazu, dass es wie Ligen in unserer Branche gibt?

Über deine Ansicht freue ich mich sehr.

Von Herzen,
Isabel

PS: Ich schreibe diesen Artikel, weil ich es sehr bereue, dass ich nicht an alle Fachhochschulen vorsprechen ging. Ich habe dies versäumt, weil ich nicht wusste, dass dies mein Weg gewesen wäre.

*Diese Altersangaben berufen sich auf die Aufnahmekriterien der ZHdK, welche bis 2017 Voraussetzung waren.

Zur Vertiefung

1. Liste der Schauspielschulen auf Wikipedia
2. Traumberuf Schauspieler – Der Wegweiser zum Erfolg, Ulrike Boldt
3. Beruf: Schauspieler, Ulrich Kuhon
4. AUDITION – Erfolgreich Vorsprechen, Michael Shurtleff
5. Video Aufnahmeprüfung Max-Reinhardt-Seminar
6. Video von Joyce darüber, wie Sie Schauspielerin geworden ist
7. Resmüee zu Schauspielkarrieren 40 Jahre nach der Aufnahmeprüfung

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